Homocysteinstudie eine neue Bewertung des Risikofaktors für Österreich

Landeskrankenhaus Bad Radkersburg - Arbeitsgemeinschaft

Abteilung für innere Medizin - für Lebensstilmedizin

Mitarbeitende Ärtzte: B.Zirm; B.Scheucher-Unterweger; P.Linhart; M.Witsch; E.Kovac; A.Zirm; J.Kainz; G.Pracher; in Zusammenarbeit mit den niedergelassen Ärzten des Bezirks Radkersburg

 

Unter der Leitung von Herrn Prim. Dr. B. Zirm, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin am LKH Bad Radkersburg wurde in den letzten Monaten eine Homocysteinstudie im Südosten der Steiermark durchgeführt.

Ein großer Teil der arteriosklerotischen Erkrankungsfälle wie Herzinfarkt und apoplektischer Insult ist meistens mit den bekannten Risikofaktoren zu erklären, wobei genetische Einflüsse nicht außer Acht zu lassen sind. Ein neuer Risikofaktor „Homocystein“ unterliegt nun seit Jahren größerer Aufmerksamkeit. Allein in den letzten 3 Jahren haben sich die Studien und Forschungsergebnisse über Homocystein verzehnfacht.

Der Risikofaktor Homocystein scheint vor allem für die Arterioskleroseentstehung sowie für venöse Thrombosen mitverantwortlich zu sein. In diesem Zusammenhang ist auch der oxidative Stress zu erwähnen, der erstmals in der HOPE-Studie 1997 einen hohen Stellenwert bekam.

Seit geraumer Zeit werden in den USA bestimmte Nahrungsmittel per Gesetz mit Folsäure angereichert. Man weiß, dass eine Senkung von Homocystein durch Vitaminsubstitution, vor allem durch Folsäure und Vitamin B6 und B 12 eindrucksvoll erreicht werden kann. Weiters konnte in den letzten Jahren bewiesen werden, dass eine Homocysteinsenkung durch Folsäure, Vitamin B6 und B12 das Gefäßendothel schützt und präventiv vor Gefäßerkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt wirkt. Auch wenn noch nicht alle Wirkmechanismen von Homocystein klar sind und auch nicht einheitliche Auffassungen zur Verschreibung von Folsäure und Vitamin B6 und B12 vorliegen, werden große Interventionsstudien in kürze vorliegen. Die Ergebnisse könnten eine beträchtliche Bedeutung für die österreichische Bevölkerung haben, da man durch Folsäurezusatz in gewissen Nahrungsmitteln letztlich cardiovasculäre und cerebrovasculäre Erkrankungen verhindern könnte. Außerdem sinkt damit die Gefahr einer venösen Thrombose.

Studie und Studienergebnisse:

Die südöstlichen Gebiete Österreichs sind laut österreichischem statistischen Zentralamt die Regionen mit den meisten Hirngefäßkrankheiten bzw. Sterblichkeitsindex in Österreich. Aufgrund dieser unbefriedigenden Situation haben sich Ärzte des LKH Bad Radkersburg, gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft für Lebensstilmedizin in Bad Radkersburg unter der Leitung von Prim. Dr. B. Zirm entschlossen, eine epidemiologische Studie zum Homocysteinstatus der Bevölkerung durchzuführen.

Ergebnisse zusammengefasst:

1. Homocystein wird als Risikofaktor in dieser Studie eindrucksvoll bestätigt und unterstützt die Aussagen in bereits veröffentlichten Arbeiten, so auch in Österreich(Stanger, Rieder, Kiefer, Sinzinger usw.)

2. Bei der Auswertung von 528 Teilnehmern im Alter von 20 bis 75 Jahren lag insgesamt bei 31 % der Probanden eine Hyperhomocysteinämie (> 11,7 µmol) vor.
Auffallend ist das Ergebnis bei relativ jungen Menschen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr, wo nicht ganz 11 % eine Erhöhung hatten, während zwischen dem 60. und 75. Lebensjahr 46 % der Probanden ein erhöhtes Homocystein aufwiesen. In der letzten Gruppe waren auch vermehrt Risikopatienten, so dass mit dem Ansteigen der bisher beachteten Risikofaktoren wie erhöhte Cholesterinwerte, erhöhter RR, Nikotin etc., auch ein gleichzeitiger Homocysteinanstieg zu beobachten ist.

3. Unsere Ergebnisse zeigten daher ein altersabhängiges Ansteigen der Homocysteinwerte, wobei mit steigendem Alter auch die Risikofaktoren zunahmen.

4. Die Ernährungsgewohnheiten sind im Südosten und Osten Österreichs besonders schlecht, so dass sich ein Folsäuremangel bereits durch die einseitige gemüse- und obstarme Ernährung, zu viel Fett und Alkoholkonsum erklären lässt. Der Westen Österreichs liegt in Bezug auf Risikofaktoren und Ernährung günstiger, so dass auch etwas niedrigere Homocysteinwerte zu erwarten sind.

5. Neben fehlender Folsäure und Antioxidantienzufuhr durch die Nahrung dürfte das oxidative LDL eine wesentliche Rolle zur Arterioskleroseentstehung, wie aus vielen Publikationen bekannt, sein. Durch den Stickoxidmangel (NO) tragen Sauerstoffradikale zur Veränderung der Prostaglandinbiosynthese bei. Weiters sind Endothelzellen in ihrer Funktion verändert, diese können die sogenannte Aasgeierfunktion (Scavenger) nicht entsprechend durchführen. Als Endprodukt entsteht oxidativer Stress, der über das oxidative LDL und Schaumzellen zur Plaquebildung und letztlich zum Verschluss des Gefäßes beiträgt. In unserer Studie wurde eine Subgruppenanalyse mit 80 Probanden durchgeführt, bei der zu den Risikofaktoren auch der oxidative Stress gemessen wurde. Es filterte sich dabei eine Gruppe heraus, die durch erhöhtes LDL, Nikotinabusus, Hypertonie und hohe oxidative Stresswerte definiert wurde. Diese Gruppe wurde als Hochrisikogruppe eingestuft, da bereits eine höhergradige Gefäßschädigung und damit Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko anzunehmen ist.

Zur Diskussion steht:

Die vorliegenden Ergebnisse könnten ein weiterer Ansatz dafür sein, in Österreich wie in den USA Folsäure zu Lebensmitteln beizumischen. Auf Ärztlichem Gebiet ist in der Primär- wie Sekundärprävention Folsäure mit Vitamin B6 und B12 verstärkt einzusetzen. Folsäure ist mit Vitamin B6 und B12 ein kostengünstiges Medikament, das allerdings von der Sozialversicherung noch nicht gezahlt wird. Hier ist der Hauptverband der Sozialversicherungsträger aufgerufen, entsprechende Voraussetzungen für ein relativ kostengünstiges Medikament zu schaffen!
Es ist ernstlich zu bezweifeln, dass Frau und Herr Österreicher trotz steigender Aufklärung auf Karfiol, Spinat, Broccoli und hefehaltige Nahrung sowie Lebensstilmodifikation umsteigen! Literatur beim Verfasser
Messmethoden:

Homocystein mit FPIA (Fluoreszenzpolarisations-Immunoassay Technologie)
Firma: ABBOTT, Wien

Oxidativer Stress – Messung der Hydroperoxidasekonzentration, FRAS-System (d-roms test)
Firma: IRAM, Italien


Weitere Auskünfte unter Tel.: Landeskrankenhaus Bad Radkersburg, Abteilung für Innere Medizin, Telefonnummer: 03476/2401-3101

Zusammenfassender Bericht erstellt am 11.02.2003.