Magnesium am Prüfstand

Magnesium ist für den lebenden Organismus ein essentieller Mineralstoff, wovon durchschnittlich 12 mmol pro Tag mit der Nahrung aufgenommen werden.

Der größte Magnesiumspeicher ist der Knochen, der in etwa 60% des Magnesiumpools bildet. Allerdings ist der Knochen ein Langzeitdepot und gibt Magnesium nur sehr langsam ab. Im Gegensatz dazu finden sich rund 39% des Magnesiumpools als sogenanntes schnelles Depot in den Organen sowie in der glatten Muskulatur. Nur rund 1% des Magnesium verweilt ständig im Blut, so dass die schnellen Depots, in dem Fall die Muskulatur, ständig Magnesium zur Verfügung stellen muss.

Bei Magnesiumbedarf, wie zum Beispiel bei Sport, steigt der Magnesiumspiegel, gemessen im Blut, sogar kurzzeitig an, da die Muskulatur Magnesium in das Blut abgibt. Durch die bessere Versorgung erhöht sich die Leistungsfähigkeit der einzelnen Muskelzelle. Umgekehrt sind bei einem Magnesiummangel bzw. bei einer Erschöpfung der schnellen Depots die ersten Anzeichen dafür die gefürchteten Bein- und Wadenkrämpfe, die vor allem in der Nacht auftreten. Der Körper besitzt insgesamt zwischen 25 bis 28 Gramm Magnesium und ist daher auf einen täglichen Nachschub über die Nahrung angewiesen.

Bei einem täglichen Bedarf von 300 – 400 mg Magnesium, entsprechend 12 – 17 mmol ist die Niere das bestimmende Organ für die Serum-Magnesium-Konzentration im Blut. Die Rückresorption von Magnesium ist im proximalen Tubulus an die Natriumrückresorption gekoppelt und bei Hypovolämie gesteigert. Umgekehrt ist die Magnesiumresorption bei einer Hypovolämie vermindert. Einen wichtigen Effekt bewirken die Mineral- und Glucocorticoide. Eine vermehrte Sekretion von Mineral- und Glucocorticoiden führt zu einer vermehrten Magnesiumausscheidung, während umgekehrt ein Mangel dieser Hormone eine Verminderung der Magnesium-ausscheidung bewirkt. In diesem Zusammenhang wird Magnesium auch häufig als Anti-Stress-Mineral bezeichnet, da bei chronischen Stresszuständen die Magnesiumverluste über die Niere besonders ausgeprägt sind.

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Der natürliche Antagonist zu Magnesium ist Calcium, wobei Calcium in der Henle’schen Schleife in Bezug auf die Resorption von Magnesium hemmend eingreift. Weiters findet sich eine Synergie zwischen Kalium und Magnesium. Der Magnesiumtransport in der Henle’schen Schleife geht parallel zur Kaliumausscheidung und führt unter Schleifendiuretikagabe zu einem Magnesium- und Kaliumverlust. Umgekehrt ist Kalium teilweise dafür verantwortlich, dass Magnesium über Transportsysteme und spezifische Kanäle in die Zelle transportier werden kann. Dadurch sind Kaliumverlust bzw. Mangelzustände auch gleichzeitig mit Magnesium zu behandeln.

Unter den hormonalen Effekten sind neben den Steroidwirkungen die des Parathormons zu erwähnen. Das Parathormon bewirkt eine Zunahme der Magnesiumresorption, wird aber durch die gleichzeitige Hyperkalzämie als Antagonist teilweise oder zur Gänze aufgehoben.

Mehr als 2 Drittel des zugeführten Magnesiums gehen wiederum mit dem Stuhlgang verloren. Wenn nun ein intrazellulärer Magnesiummangel eine erhöhte neuromuskuläre Erregbarkeit der glatten Muskulatur im Darm mit sich bringt und gleichzeitig Magnesium eingenommen wird, kann es zu einer Diarrhoe kommen, die wiederum eine Minderresorption von Magnesium nach sich zieht. Die manchmal beschriebenen Unverträglichkeiten (Durchfall) von Magnesium können daher einerseits durch eine Überdosierung, andererseits durch die Aufnahme von Magnesium zusammen mit fetthaltigen Speisen (Seifenbildung) oder durch eine neuromuskuläre Übererregbarkeit des Darmes bei bereits bestehender Hypomagnesiämie als Grund haben.

Welches Magnesium, wie viel, wann einnehmen?

Die häufig diskutierte Frage, ob Magnesiumcitrat, Magnesiumcarbonat, Magnesiumoxid oder Magnesiumaspartathydrochlorid oder Magnesiumhydrogenglutamat eingenommen werden sollen, werden häufig diskutiert, sind aber wie folgend zu beantworten:

Magnesiumsulfat, als Bittersalz bekannt, hat sicherlich, oral aufgenommen, die schlechteste Resorption und wirkt relativ stark abführend. Umgekehrt hat Magnesiumsulfat, gelöst in Ampullenform, die höchste Resorptionsquote und wird in der Inneren Medizin bzw. Notfallmedizin gegenüber allen anderen Verbindungen bevorzugt.

Bei Magnesiumoxid ist eine stärkere antiazide Wirkung bei geringerer Resorptionsquote vorhanden, während Magnesiumcitrat, -aspartat und -glutamat in etwa gleich stark resorbiert werden. In diesem Zusammenhang sollte auch an die Rolle von Kalium erinnert werden, welches vor allem beim Einsatz von Magnesium bei der koronaren Herzkrankheit sowie bei Herzrhythmusstörungen eine positive Rolle spielt. Aus diesem Grund wird Magnesium auch in parenteraler Form gemeinsam mit Kalium im Notarztwagen sowie auf den Intensivstationen verwendet.

Der Körper braucht zwischen 300 und 400 mg Magnesium täglich. Ein höherer Verbrauch (bis 800mg) liegt vor allem bei chronischen Stresssituationen, sportlicher Betätigung aber auch bei Diuretikatherapie bei herzinsuffizienten Patienten (renaler Verlust) vor. Eine Substitution von Magnesium hängt letztlich vom Bedarf und eventueller Erkrankung ab. Bei sportlicher Aktivität ist eine häufigere Substitution mit Magnesium pro Woche sinnvoll, bei nächtlichen Bein- und Wadenkrämpfen, die als Hauptsymptom für einen Magnesiummangel gelten, sollte mindestens über 50 Tage eine tägliche Substitution durchgeführt werden.

Aus unseren eigenen praktischen Erfahrungen mit vielen Patienten ist hier eine abendliche Dosierung von Magnesium am sinnvollsten, wenn sie nicht unmittelbar mit fettreichem Essen zugeführt wird. In diesem Zusammenhang ist auch bei einer gleichzeitigen Calciumsubstitution, wie bei vielen Osteoporosepatienten notwendig zu beachten, dass mindestens 6 Stunden Zeitunterschied vorliegen sollte, da die Resorption bei gleichzeitiger Einnahme von Calcium und Magnesium unsicher ist und ein Antagonismus vorliegen kann.

Magnesium und Nahrung

Bei jeder Magnesiumsubstitution sollten allerdings auch die Ernährungsgewohnheiten des Patienten durchleuchtet werden. Es gibt immer mehr Menschen, die im Berufsleben auf ballstoffreiches Essen verzichten und sich mit fast food, einseitigen Diäten oder Imbissen ernähren.
Zu den magnesiumreichsten Nahrungsmitteln gehören alle Zutaten für ein gesundes Frühstück: Weizenkeime, Haferflocken, Korn und Hirse spiele eine wichtige Rolle. Auch das Kakaopulver sowie Schokolode sind magnesiumreich, gehören aber zu den energiereichen Zucker- bzw. Fettlieferanten und können als „Therapie“ leider nicht empfohlen werden. Auch Nüsse sowie Pistazien gehören ebenfalls zu Magnesiumspendern, sind aber vor allem geröstet als Kalorienbomben anzusehen.
Die häufige Meinung, dass Bananen Magnesiumspender sind und deshalb während der Sportausübung gegessen werden, ist falsch. Bananen sind Kaliumspender und können eine Magnesiumaufnahme, die beispielsweise flüssig erfolgt, verbessern. Auch bei Mineralwasser ist darauf zu achten, wie hoch der Salzanteil bzw. Magnesiumanteil ist.

Magnesium und Herz

Die Herzmuskelzelle hat wie alle anderen Zellen des Körpers die Aufgabe, Energie bereit zu stellen, wobei wiederum Magnesium eine wesentliche Rolle spielt. Gerade die Magnesium-abhängigen Enzyme wie Natrium, Kalium ATPase und Kaliumkanäle spielen eine wesentliche Rolle für die Energiezufuhr. Die Zellmembran der Herzmuskelzelle, die letztlich auch für das elektrische Potential und die Be- und Entladung mit Ionen verantwortlich ist, hängt von diesen Systemen ab, wobei Kalzium wiederum als Gegenspieler von Magnesium auftritt. Beim Untergang von Herzmuskelzellen wie bei einem Myokardinfarkt (akutes Koronarsyndrom) findet sich eine Überladung von Kalzium intrazellulär. Bei Erkrankungen der Herzkrankgefäße spielt die Endothelfunktion des Gefäßes eine wesentliche Rolle.

Erst vor wenigen Monaten wurden diesbezüglich eine internationale Studien vorgestellt, die bewiesen haben, dass oral eingenommenes Magnesium mit Kalium gemeinsam die körperliche Leistungsfähigkeit bei koronarer Herzkrankheit um durchschnittlich 12% steigert. Damit wurde auch die Lebensqualität dieser Patienten verbessert. Damit ist Magnesium, vor allem auch in Kombination mit Kalium, im Stellenwert bei kardialen Patienten enorm gestiegen und hat nun bei dieser Indikation einen fixen Therapieplatz.
Auch die Kombination mit Aspirin erscheint sinnvoll, da Magnesium und Aspirin einen antithrombotischen Effekt besitzen und synergistisch wirken. Beide senken den oxidativen Stress.
Bei herzinsuffizienten Patienten, die neben einer ACE-Hemmer- und Betablockermedikation auch ein Schleifendiuretikum erhalten, sollte ebenfalls Magnesium aus kardialer Sicht gemeinsam mit Kalium verabreicht werden, da die Notwendigkeit einer diuretischen Therapie eine Hypomagnesiämie und Hypokaliämie mit sich bringen kann.

Magnesium und Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft steigt der Magnesiumbedarf ab dem zweiten Trimenon stark an. Vor allem bei Frauen mit erhöhtem Blutdruck, Gestoseneigung bzw. Ödembildung kann es zu Magnesiummangelerscheinungen und zum retrahierten Wachstum des werdenden Kindes kommen. Daraus ergibt sich ein erniedrigtes Geburtsgewicht, eine höhere Frühgeburtenrate sowie vorzeitige Wehentätigkeit, wobei bei Präeklampsie und Eklampsie Magnesium in hohen Dosierungen auch parenteral eingesetzt wird.
Insgesamt sollte die werdende Mutter von Seiten der Ernährung die Magnesiumzufuhr überprüfen und gegebenenfalls substituieren. Bei Risikoschwangerschaften versteht sich die Indikation aus medizinischen Gründen.

Andere Indikationen zur Magnesiumtherapie – Selbstmedikation

Neben den medizinischen Indikationen koronare Herzkrankheit, Herzrhythmus-störungen, Herzschwäche mit Diuretikatherapie bzw. Risikoschwangerschaft findet sich eine Vielzahl von indizierten Magnesiumsubstitutionen, die zwar von Seiten der Krankenkassen nicht bewilligt bzw. nicht bezahlt werden, aber doch notwendig sind.

Bei der Selbstmedikation ist bei Sportlern eine Einnahme von Magnesium zwar nicht täglich notwendig, vor stärkeren Trainingseinheiten oder Kampfsport aber mindestens mehrere Wochen durchzuführen. Die Mengen an Magnesium betragen bei Spitzensportlern bis zu 800 mg täglich und sind bei entsprechender Energiebereitung problemlos auf 2- oder 3-Tagesdosen verteilt einzunehmen. Eine parenterale Substitution, egal aus welchem Grund, sollte nur von erfahrenen Ärzten unter entsprechender Indikation verabreicht werden.

Beim chronischen Alkoholismus bzw. höherem Alkoholkonsum geht Magnesium sowohl über eine erhöhte Leberdepletion als auch Nierenausscheidung verloren. Die Substitution bei dieser Patientengruppe ist äußerst wichtig und bei chronischem Alkoholismus essentiell, da meist auch eine Mangelernährung vorliegt. Interessanterweise vertragen manche Menschen ohne Alkoholabusus nach vorheriger Magnesiumeinnahme Alkohol besser, obwohl die Promillewerte im Blut unbeeinflusst bleiben. Der Grund dafür dürfte ein hepatogener sein, doch sind die Wirkmechanismen nicht völlig geklärt. Auch bei Diabetes Mellitus finden sich häufig Magnesium-mangelzustände.

Eine Überdosierung von Magnesium kann über orale Substitution nur schwer gelingen, da sowohl Niere als auch Darm das vermehrte Magnesium wiederum ausscheiden. Einzig eine bereits höhergradige Niereninsuffizienz, vor allem bei parenteraler Magnesiumgabe, bewirkt eine motorische Schwäche, Sedierung und in Extremfällen eine Atemlähmung und Herzstillstand. Als Mittel der Wahl gelten dann Dialyse und Beatmung des Patienten.


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Kontakt:
Prim. Dr. Bernhard Zirm
Internist/Allgemeinmedizin, Leitung Magnesiumforum Bad Radkersburg
Vita med Gesundheitszentrum der Parktherme Bad Radkersburg
Alfred Merlini-Allee 7
8490 Bad Radkersburg
T: 03476 / 3403

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