Burnout - nein danke

Der Begriff Burnout ist eigentlich nicht neu, wird aber in letzter Zeit neu
definiert und viel besprochen. Burnout, das ja eigentlich das Ausbrennen
bedeutet, ist ein nur noch mehr teilweise funktionierendes Zusammenspiel
zwischen Seele, Geist und Körper.
Dieser physische und psychische Abbau wurde bereits von Freudenberg 1974
beschrieben. 1982 wurden die ersten wissenschaftlichen Arbeiten darüber
publiziert, dass vor allem in sozialen Berufen, wie bei Lehrern, Ärzten und
Pflegepersonal dieses Belastungssyndrom vorkommt. Es wurde damals als
chronischer Stress mit depressiver Verstimmung, Erschöpfung und
psychosomatischen Beschwerden genannt. Viele Menschen wurden auch als
Zyniker und gleichgültig eingestuft.


Burnout hat verschiedene Phasen, die wie folgt eingeteilt werden können:

Phase 1: Der Mensch in dieser Phase ist hochaktiv und merkt selbst nicht
bewusst Erschöpfungszustände. Er arbeitet meist hochtourig und hat keinen
Leidensdruck. In dieser Phase wächst aber zunehmend die Unzufriedenheit,
man ist nicht erfüllt von seinem Beruf bzw. seiner Tätigkeit. Er Ist auch nicht in
der Familie bzw. im Beruf sehr duldsam. Auf der einen Seite merkt man, dass
man gebraucht wird, auf der anderen Seite fühlt man sich „verbraucht“.

Phase 2: Diese Phase ist insofern eine gefährliche Phase, da die Leistungskraft

abnimmt und man sich zunehmend zurückzieht, sowohl im familiären wie auch

sozialen Bereich. Mitmenschen sind einem gleichgültig, man flüchtet manchmal
in den Sport. Es kommen Angstgefühle auf und es beginnt eine Isolationsphase.

Phase 3: Hier wird die innere Leere sowohl dem Betroffenen bewusst, als auch Außenstehenden, dass mit dem betroffenen Menschen „etwas passiert ist“. Imweiteren fühlt man sich nicht nur stark erschöpft, man ist unglücklich, hat zunichts Lust und wird zunehmend passiv. Reaktiv steigt meistens ein depressivesZustandsbild, manchmal kommt auch ein Suchtverhalten dazu, das sich invermehrtem Alkohol‐ und Nikotingenuss zeigt. Ein Teil dieser Menschen nimmtauch andere Drogen zu sich, manchmal kommt es auch zu einemMedikamentenabusus. Für den Betroffenen selbst ist vor allem das einerseits „gebraucht und andererseits missbraucht werden“, sehr problematisch. Man spürt alsBetroffener, dass sich in den letzten Jahren einiges verändert hat und mannicht mehr derselbe ist. Vor allem die emotionale Erschöpfung, das nicht mehrTeilhaben wollen am Leben bzw. Schicksaal anderer, die Gleichgültigkeit, derZynismus und der Abbau der Leistungsfähigkeit prägt besonders dieseMenschen.

Wichtige Warnsignale bei Burnoutgefährdung

Die auffälligsten Veränderungen betreffen die Kognition, die Emotion,
körperliche Veränderungen sowie zunehmendes Fehlverhalten bei Freizeit,
Sport, Arbeitsplatz und Ehe. Bei den sogenannten Kognitionen, also den Veränderungen die vom Kopf ausgehen und von der Seele mitgeprägt werden, kommt es häufig zu Konzentrationsstörungen, zu zunehmender Entscheidungsunfähigkeit sowie zu pessimistischen Aussagen. Weiters findet man den bereits beschriebenen
zynischen Menschen bei sinkender Arbeitsleistung.
Von Seiten der Emotion sind Ärger, Stimmungsschwankungen sowie verstärkte
Reizbarkeit im Vordergrund. Oft sind diese Menschen ruhe‐ oder hilflos und
haben das Gefühl der inneren Leere. Es kommt zu einem massiven
Empathieverlust, man interessiert sich nicht mehr für den Mitmenschen und
hat selbst Versagensangst.
Bei den körperlichen Warnsignalen sind vor allem Schlafstörungen sowie
Verspannungen der Muskulatur, ein erhöhter Blutdruck sowie
Magenschmerzen, Kopfschmerzen und Schwindelgefühl, die vorher alle nicht
da waren, ein möglicher Ausdruck eines beginnenden Burnout. Eines der
Kardinalsymptome ist auch der Tinnitus, also ein Ohrgeräusch, meist gepaart
mit Rückenschmerzen und Erschöpfungszuständen. Dazu gesellen sich noch
sexuelle Probleme, die sich in Eheproblemen allgemein fortsetzen.
Mit der zunehmenden sozialen Isolation kommt es zu Fehlzeiten am Arbeitsplatz, zu nicht durchgeführten Tätigkeiten, die normalerweise zu Hause anliegen und gemacht werden, zu vermehrtem Alkohol‐ und Tablettenkonsum und letztlich auch zur aktiven Konfliktbereitschaft mit Kollegen oder Freunden. Letztlich findet sich die Unfähigkeit „Nein zu sagen“ bei vielen dieser Menschen.

Problemlösung

In einem Artikel oder in einem kurzen Abendvortrag sind solche Probleme
insgesamt nicht zu lösen. Wichtig ist allerdings, dass eine Aufarbeitung eines
beginnenden Burnouts mit Ehrlichkeit zu sich selbst beginnt. Wenn man im
Arbeitsprozess steht, sind zudem auch Zeitprobleme wie Zeitdruck, Zeitnot
häufig, so dass ein Zeitplan aufgestellt werden muss. Vor allem der
Termindruck kann eines der Hauptauslöser für ein berufliches Burnout sein.

Wesentlich ist auch, womit ich meine Freizeit verbringe und wie viel Zeit ich für
Ehepartner oder Familie habe. Eine Schweizer Untersuchung (Swiss Burnout) zeigte vor einigen Jahren, dass vor allem in die Ehe relativ wenig Zeit investiert wird und dass häufig nur 10 Minuten am Tag miteinander gesprochen wird, man aber für andere
Aktivitäten wie Arbeit, Fortbildung oder auch Sport weit aus mehr an Zeit investiert. Daher ist „Zeit für sich – Zeit für den anderen“ eine wichtige Kernaussage. Wichtige Probleme müssen einem aber auch selbst bewusst werden, denn was nicht bewusst ist, kann nicht bewusst beeinflusst werden. In diesem Zusammenhang stehen auch Selbstvertrauen und Selbstwert. Für viele Menschen ist Wertschätzung ein wichtiges Kriterium, das nicht nur am Arbeitsplatz sondern auch in der Familie vorherrscht.
Bei diesen Eigenschaften ist aber auch der „glückliche Mensch“ anzusprechen,
den wir fälschlicherweise als Lucky Boy betrachten. Glück ist nicht, mit wenig
Aktivität per Zufall eine kurzzeitige Freude zu haben, wie zum Beispiel bei
einem Gewinn im Lotto. Glücklich ist vielmehr der „Happy Boy“, der aktiv nach
Glück sucht und mit Freude zufrieden im Leben steht.